Payment 2012: Zahlverfahren auf dem Prüfstand

Ein wichtiges Thema für viele Shopbetreiber in 2012 ist neben den großen Trends Social Commerce und Usability-Optimierung das Thema Bezahlverfahren. Neben Paypal, Rechnung, Lastschrift, Nachnahme, Vorkasse und Kreditkarte haben sich eine Reihe “moderner” Zahlungsarten entwickelt, die mit voller Kraft auf den Markt drängen.

Sofortüberweisung.de

Ein wichtiges aber sehr kontrovers diskutiertes Zahlverfahren ist sofortüberweisung.de. Die schnelle Abwicklung per PIN und TAN des Bankkontos ist aus Käufer- wie aus Shopbetreiber-Sicht sehr komfortabel. Jedoch herrschte lange Zeit Ungewissheit, ob die Nutzung des Dienstes nicht gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Banken durch die Eingabe dieser beiden Geheimzahlen verletzt wird. Im März 2011 erklärte die Payment Network AG: “Nach jetzigem Stand geht das Kartellamt davon aus, dass die derzeitigen AGB der Banken und Sparkassen nichtig sind, soweit sie bankenunabhängigen Direktüberweisungsverfahren den Marktzutritt verwehren.”

Seitdem verzichten Banken und Kreditinstitute auf die Aussage, dass durch die Nutzung von sofortüberweisung gegen die AGB der Banken verstoßen wird.

“Seit der Unternehmensgründung 2005 ist es bei mehr als 25 Millionen Transaktionen zu keinem einzigen PIN/TAN-Betrugsfall gegenüber Endkunden gekommen, die ihre PIN und TAN in die Systeme der Payment Network AG eingegeben haben“, so Christoph Klein, Gründer und CEO der Payment Network AG.

Der Anbieter, die Payment Network AG, weist auf seiner Website hin auf eine TÜV-geprüfte Qualität und auch die Zeitschrift Computer Bild gab sofortüberweisung im Test 05/2011 die Bestnote. Nach Angaben von handelskraft.de setzten im Mai 2011 bereits 17.000 Shops auf das Bezahlverfahren.

Giropay

Als Gegenmodell zu sofortüberweisung.de ist Giropay das von Banken unterstützte Bezahlverfahren mit PIN und TAN. Kunden werden nach Auswahl der Zahlungsart zum Online-Banking-Konto bei ihrer Bank geleitet und veranlassen dort nach dem Login mit der PIN-Nummer die Überweisung mit der Eingabe einer TAN-Nummer. Giropay steht derzeit in Deutschland  etwa 17 Millionen Online-Banking-Kunden zur Verfügung.

ClickandBuy

Ähnlich wie Paypal ist auch ClickandBuy ein Bezahlverfahren, welches Bankverbindung oder Kreditkartendaten in einem eigenen Account hinterlegt. Damit ist das Bezahlen in Online-Shops nur mit Benutzername und Passwort möglich. ClickandBuy ist ein lange etabliertes Bezahlverfahren – nach der Gründung des Unternehmens 1999 registrieren sich nach Angaben von Wikipedia heute pro Monat 250.000 Kunden. Seit März 2010 repräsentiert ClickandBuy als 100%iges Tochterunternehmen der Deutschen Telekom die Online-Payment-Strategie des europaweit größten Telekommunikationsunternehmens.

Bezahlen mit Amazon

Im Frühjahr 2011 startete “Bezahlen mit Amazon” nach zweijähriger Testphase in den USA auch in Deutschland. Damit rüstet sich Amazon stark gegenüber den Konkurrenten ebay/Paypal.

Für die Integration gibt es zwei verschiedene Ansätze:

a) der Kunde sieht im Bestellprozss ein Popup, welches ihn im Amazon Look & Feel durch Login, Adressen und Bezahlung führt. Nach Bestellabschluss wird der Kunde zur “Vielen Dank”-Seite des Händlers weitergeleitet. Der Nachteil dieser Möglichkeit besteht darin, dass der Kunde seine Bestellung noch nicht abgeschlossen hat und gleichzeitig vom Onlineshop weggeleitet wird. Was nun alles auf den Seiten von Amazon passiert und ob der Kunde am Ende überhaupt kauft, lässt sich schwer einschätzen. Ein Onlinehändler mit Button Lösung ist übrigends www.electronics-expo.com.

b) der Kunde bleibt durch Realisierung über eine API-Schnittstelle vollständig im Shop. Durch Style-Anpassungen wirkt die neue Zahlart vertraut. Es gibt neben dem reinen Checkout auch viele Möglichkeiten, Versanddaten wie Lieferzeit und Versandkosten auszutauschen. Die Bestelldaten werden nach einer erfolgreichen Bestellungen über die API an die Warenwirtschaft oder den Onlineshop zurückgemeldet. Gleichzeitig erhält der Kunde eine automatische E-Mail von Amazon mit der Zahlungsbestätigung. Händler müssen nichts weiter tun und können nach Verifizierung der Zahlung – Amazon übernimmt dann die Zahlungsgarantie -  die Ware unverzüglich verschicken. Ein Onlineshop, der die zweite Option verwendet ist www.thomann.de.

Durch die große Bekanntheit und Nutzung von Amazon werden sicherlich noch viele weitere Shops diese Zahlmethode einbinden.

eBay

Quasi als Antwort auf “Bezahlen mit Amazon” rüstete auch ebay im Herbst 2011 nach: neue Verkäufer müssen fortan nicht zwingend einen Paypal-Account haben, sondern können die Zahlung auch direkt über ebay abwickeln. Golem berichtet: “Auszahlungen erfolgen auf Wunsch direkt auf das Bankkonto oder auf einen Paypal-Account. Käufer können hingegen selbst wählen, ob sie per Paypal, Banküberweisung, Zahlung per Kreditkarte oder Lastschrift oder über den Zahlungsdienstleister Skrill (früher Moneybookers) bezahlen.” Damit ist die Vormachtstellung von Paypal auch im Hause ebay gebrochen – nachdem es damit Auffiel, US-Interessen durchsetzen zu wollen, etwa indem Spenden an Wikileaks nicht mehr ausgezahlt wurden. So handelte sich die eBay-Tochter auch einen Boykottaufruf von Anonymous ein, so Golem weiter.

Google Checkout

Auch Google spielt im Payment-Markt mit – und zwar bereits seit 2006. “Google Checkout” ist als Alternative zu Paypal bei internationalen Überweisungen von Kleinbeträgen ins Feld gezogen. Zur Anmeldung ist eine Kreditkarte sowie eine Telefonnummer Pflicht. Finanziert wird der Dienst durch die Händler, beziehungsweise durch die Verkäufer, denn die tragen allein die Kosten der Transaktion. Der Käufer spart die Überweisungskosten. Für jede Transaktion werden $ 0.30 und je nach Monatsumsatz über Google Checkout zwischen 1,9und 2,9% Prozent des Kaufpreises fällig. Befinden sich Käufer und Verkäufer nicht in dem selben Land, wird nochmals 1% aufgeschlagen.

Mittlerweile ist Google Checkout in den neuen Service “wallet” (siehe weiter unten) integriert.

 

Mobile Payment

Eine Online-Umfrage des Bundesverbands des Deutschen Versandhandels e.V. (bvh) und der CEG Creditreform Consumer GmbH fand heraus: Knapp ein Viertel (23,4 Prozent) aller bundesweit befragten Smartphone-Besitzer zwischen 18 und 69 Jahren nutzt sein Gerät zum mobilen Einkauf. Insbesondere Berufstätige (28,6 Prozent Nutzungsanteil) sowie Studenten und Schüler (27,6 Prozent Nutzungsanteil) haben den Mobile Commerce für sich entdeckt. Damit ergibt sich ein Markt für neue Bezahlverfahren, die sich auf eine mobile Nutzung spezialisieren.

Near Field Communication (NFC)

Die rasante Entwicklung des mobile Commerce stellt neue Anforderungen an mobile Zahlungsmethoden. Ein Service, dem Experten eine große Bedeutung zuschreiben, ist das Bezahlen über NFC (Near Field Communication). Hier hält man das NFC-fähige Endgerät vor ein Terminal und “bezahlt” mit integrierten Kreditkartendaten. Google hat mit seinem Dienst “wallet” bereits eine NFC-Implementierung geschaffen. Neben dem Bezahlverfahren hat Google ein Bonussystem integriert, welches für Dienste wie Groupon äußerst interessant wird. Auch hier liegen die Schwierigkeiten im Bereich des Datenschutzes und der Sicherheit. Über Terminals könnten andere Daten aus dem Handy bezogen werden. Außerdem werden Trickbetrüger einen Weg finden, wie man unbemerkte Zahlungen vom Smartphone veranlassen kann. Wann Google Wallet auch in Deutschland angeboten wird, steht noch nicht fest.

Auch Paypal hat seine Bezahl-App über NFC-Technologien erweitert. Interessant hierbei: Nicht nur in Geschäften, sondern auch unter Freunden wird ein einfaches Bezahlen ermöglicht: Wer seinem Freund etwas bezahlen möchte, gibt in die App eine Transferanfrage mit dem entsprechenden Geldbetrag ein und stößt kurz das Handy des Bezahlenden an. Dieser authorisiert die Transaktion auf seinem Smartphone per Passworteingabe.

Ab Herbst 2012 wollen auch die Sparkassen NFC-Technologien einsetzen. Geplant ist eine EC-Karte mit Funkchip, die für Kunden kostenlos ist. Michaela Roth, Sprecherin des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands: “Im August 2012 beginnt die bundesweite NFC-Einführung. 16 Millionen der insgesamt 45 Millionen Sparkassen-Cards werden bis Jahresende ausgetauscht, die übrigen folgen.” Laut Golem können mit diesen NFC-EC-Karten kleine Beträge bis 20 Euro bezahlt werden. “80 Prozent der Zahlungen im Handel sind kleiner als 20 Euro. Davon werden 95 Prozent noch bar bezahlt”, rechnete Roth vor. Das Gebührenmodell für die NFC-Kartenzahlung sei günstiger als Wettbewerber und betrage für die Händler bei Beträgen bis zu 5 Euro 1 Cent, bei bis zu 10 Euro 2 Cent und bis 20 Euro 3 Cent.

PS: Auch im Bereich der Zahlungsdienstleister tut sich etwas: So bietet seit letztem Jahr auch die Deutsche-Post-Tochter DHL einen eigenen Payment-Dienst mit dem Namen “DHL Checkout” an. Inhaltlich handelt es sich hierbei um eine Paypal-ähnliche Single-Sign-On-Lösung, die die Zahlverfahren Lastshttp://www.ecommerce-leitfaden.de/e-payment-barometer-neue-bezahlverfahren-bestimmen-e-commerce-2012.htmlchrift, Vorkasse und Kreditkarte ermöglicht. Online-Bezahlarten werden nicht angeboten. Nach eine Testphase auf der eigenen Plattform Mein-Paket.de steht das Verfahren nun für alle interessierten Shopbetreiber zur Verfügung.

Wie verhalten sich die Händler?

Im “E-Payment-Barometer” von ibi Research und dem Wirtschaftsmagazin “Der Handel” im Auftrag von MasterCard wurden vom 16.11. bis zum 06.12.2011 157 Aussagen von Online-Händlern ausgewertet. Neben einer hohen Akzeptanz des Zahlungsverfahrens (83 Prozent) sind der Studie zufolge der Schutz vor Zahlungsausfällen (58 Prozent) und die Kosten des Verfahrens (55 Prozent) Händlern am wichtigsten.

„Gerade Kreditkarten sind im Internethandel von hoher Bedeutung, da sie diese Kriterien erfüllen. Weiterentwicklungen, beispielsweise in Form kontaktloser Kartenzahlung wie PayPass werden damit in 2012 weiter an Fahrt gewinnen“, so Georg Wittmann, Senior Consultant von ibi Research.

Wird die Zahlung per Vorkasse von über 80% der befragten Händler angeboten, so gibt es bei den Kreditkarten-Zahlungen deutliche Unterschiede: Während diese Zahlmethode nur jeder zweite kleine Händler (Umsatz unter 500.000 Euro) nutzt, haben sie über 80% der größeren Händler (Umsatz über 500.000 Euro) integriert.

Aus dem Bereich der neuen elektronischen Banking-Zahlverfahren schafft nur Sofortüberweisung.de eine nennenswerte Nutzung – sie liegt je nach Umsatz-Größe zwischen 40 und 53%. Von den Händlern, die diese Zahlungsart noch nicht anbieten, wollen es aber 15-21% in 2012 tun.

Bei allen Händlern, die die Zahlung per Rechnung ermöglichen, ist Rechnung mit 45% das meistgenutzte Verfahren. Dahinter folgen Vorkasse und Paypal mit 35 bzw. 23%.

Wie verhalten Sie sich?

Decken sich unsere Erfahrungen und die Studienergebnisse mit Ihrer Wahrnehmung? Welche Zahlarten nutzen Sie oder würden Sie gern nutzen, die nicht diskutiert worden? Ich freue mich über einen Kommentar.

 

Rechtl. Hinweis: Nach Hinweisen von giropay hat das Bundeskartellamt im Rechtsstreit mit sofortüberweisung.de “keine verbindliche bzw. rechtsgestaltende Erklärung abgegeben”. “Sie [Anm. d. Redaktion: die Klage] ist immer noch rechtshängig und bislang nicht entschieden worden”.

 

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